Ich weiß gar nicht, warum manche Leute immer so entsetzt tun. Körperliche und psychische Gewalt ist in dieser Gesellschaft Alltag, Extremfälle sind dabei die Spitze des Eisberges.
Die Ächtung dieser Gewalttaten ist dabei das eigentlich Entsetzliche, denn es ist immer wieder zynisch, mit welch milden Strafen (in diesem Fall lediglich 22 Monate) die Peiniger wegkommen. Solche Strafen sind geradezu eine Ermunterung. Das führt unter anderem dazu, daß flächendeckend weggeschaut wird und keiner sicht traut, Hilfe anzubieten, denn in Nullkommanichts ist man dann selber Zielscheibe dieser Gewalt. Die Polizei vermeidet aus guten Gründen seit Jahrzehnten, in bestimmten Stadtteilen präsent zu sein und sich durchzusetzen, weil sie das mit permanent ausgedünntem Personal und mieser materieller Ausstattung gar nicht leisten kann. Außerdem hat niemand Lust, ständig seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Natürlich wird über diese Tatsache nicht offen gesprochen. Man kann ja mal versuchen, darüber mit guten Freunden oder Verwandten, die bei der Polizei im "Außendienst", insbesondere in größeren Städten tätig sind, zu sprechen....
Widerlich ist ebenfalls (was ich aus eigener bitterer Erfahrung weiß), daß in Verfahren gegen Gewalttäter nur in Ausnahmefällen darauf verzichtet wird, die Adressen von Zeugen und Opfern zu nennen. Auch wenn die Täter dann für ein paar Monate eingelocht werden, ist man damit der Gefahr ausgesetzt, daß man selbst oder seine Familie von Mittätern bzw. Verwandten des Täters bedroht wird. Das ist ebenfalls Alltag.