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Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Heraklit am Mi 7. Feb 2018, 17:36

theologe hat geschrieben: Nur jetzt stellt sich mir die Frage, warum sollte ich meine Fähigkeit, so zu denken und zu empfinden, davon abhängig machen, ob mein Gegenüber ein Mensch oder ein Tier ist?
Der grundlegende Unterschied ist, dass Tiere selbst keine ethischen Konzepte begreifen, jedenfalls nicht wie wir Menschen. Bei Tierrechten geht es nicht darum, Tieren Rechte zu geben, sondern einseitig das Recht von Menschen gegenüber Tieren einzuschränken. Wenn man Tieren, zum Beispiel, ein Recht auf Leben gibt, wie man es Menschen zugesteht, dann kommt man zu völlig abstrusen Ergebnissen. Ich werde dir das anhand deiner eigenen Beispiele aufzeigen.
theologe hat geschrieben:Ich will selber nicht ermordert werden, ich gehe stark davon aus, dass Tiere ebenfalls nicht ermordet werden wollen, deshalb will ich auch nicht, dass Tiere ermordet werden.
Nur hast du jetzt das Problem, dass sich Tiere auch gegenseitig ermorden, sei es jetzt bei Revierkämpfen, bei Kämpfen um Weibchen oder ganz banal bei der Jagd nach anderen Tieren. Wie willst du diesen Missstand verhindern, wenn alle Tiere ein Recht auf Leben haben wie bei Menschen? Man müsste sozusagen eine Art Tierpolizei einführen, welche Tiere voreinander schützt und den Fleischfresser irgendwelche künstlich hergestellte Nahrung zur Verfügung stellen um wiederum deren Recht auf Leben zu schützen. Mir ist bewusst, dass du auf so was nicht hinaus willst, aber es soll dir den grundsätzlichen Unterschied zwischen Menschenrechten und Tierrechten aufzeigen und vor allem, dass du Tierrechte nicht genauso wie Menschenrechte begründen kannst. Dein Recht auf Leben beinhaltet nämlich auch deine Pflicht anderen Menschen ihr Recht auf Leben zuzugestehen. Tiere sind dazu schlicht nicht in der Lage.
theologe hat geschrieben:...wieso es solange Sklaverei gab, ohne das es von der Mehrheit der Nicht-Sklaven als Missstand empfunden wurde.
Ganz genau. Wenn ich mir einfach irgendwelche Leute einfangen und sie mir als Sklaven halten würde, dann würdest du das als ethisch verwerflich betrachten. Wenn mich jetzt hingegen ein hungriges Wolfsrudel oder ein Löwe töten würde, oder mich ein Nashorn tottrampeln, dann würdest du dem Tier keine ethische Schuld beimessen, obwohl du dasselbe Verhalten von einem Menschen rügen würdest. Aus diesem banalen Grund kannst du das nicht gleichsetzen und Tierrechte nicht genau wie Menschenrechte begründen.
Wenn die Welt erst ehrlich genug sein wird, um Kinder vor dem 15. Jahr keinen Religionsunterricht zu erteilen, dann wird von ihr was zu hoffen sein.
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Rolo am Mi 7. Feb 2018, 21:48

Nur mal so als Nachdenk zum Thema: Tier und Würde

Seit mehr als fünf Jahren haben wir eine kleine Bolognese Hündin. Sie ist Dreh- und Angelpunkt meiner Familie. Nur mal fiktiv gesehen: Wenn beim Gassi gehen meine Hündin zufällig einem Rohling von Mensch zu nahe kommen würde, der ausflippen sollte und meiner Hündin so sehr eine reinträte, dass die Hündin dermaßen an ihre Verletzungen leiden müsste, dass man sie nur noch einschläfern könne, würde ich dies nicht als "Sachschaden" akzeptieren.

Was ich damit sagen will: In meiner selektiven Wahrnehmung könnte der Verlust unseres Tieres nicht durch irgendetwas ersetzt werden, und daher würde es unter meiner „Würde“ als „materiellen Schaden“ inakzeptabel wahrgenommen werden. :wink:
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Herr der Augenringe am Mi 7. Feb 2018, 22:17

Nasobēm hat geschrieben:Ich befürchte, das ist, wie Idefix sagt, eine zu romantische Vorstellung von den Gefühlen der Tiere. Nimmt man z.B. Rehe - die sind Beute und somit ständig gefährdet. 'Frei' sein bedeutet für sie, ständig auf der Hut sein zu müssen. 'Freiheit' ist ein menschlicher Begriff


Das mag sein...

Herr der Augenringe hat geschrieben:Ein Schaden für den Menschen, nehme ich an.... aber eigentlich wurde der schon nachgewiesen. Der Verzehr von Fleisch, in dem sich die Stresshormone nur so tummeln, kann nicht gesund sein.

wo wurde das nachgewiesen?


Das habe ich des öfteren mal gehört/ gelesen, dass sich im Fleisch die Stresshormone speichern, die das Tier in den Momenten des Schlachtens bildet.
Ich weiß jetzt schon, dass Du sogleich abwinken wirst, aber ich stell trotzdem mal was rein :D

http://www.brennglas.com/der_tierleiche ... essen.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-09/t ... cherschutz




Herr der Augenringe hat geschrieben:Das Tier spürt ja schon ziemlich früh, dass da etwas ist.

was meinst du damit?


Dass das Tier, das vor seiner Schlachtung steht, genau spürt, dass etwas Unheilvolles auf es zukommt.... Was schlicht daran liegt, dass Tiere auch Emotionen haben und Dinge wahrnehmen, und es, wie man weiß, in den Schlachthöfen nicht gerade sensibel zugeht.
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Herr der Augenringe am Mi 7. Feb 2018, 22:46

ruebennase hat geschrieben:
Herr der Augenringe hat geschrieben:Konsumierst Du gedanken- und besinnungslos? Bist Du undankbar?

Das sind beides Prozesse, die niemals abgeschlossen sind, solange man lebt. Sie erfordern ständiges Bemühen um Aufmerksamkeit und lassen sich nicht automatisieren.
Dementsprechend bemühe ich mich in beiden Disziplinen um das mir aktuell Mögliche.


Aha, dann habe ich Dich immer falsch verstanden. Dann ist diese Welt voller Übel, weil auch Du (noch) in den Kinderschuhen Deiner Bewusstseinsentwicklung steckst ("Prozesse, die niemals abgeschlossen sind"), nicht nur Deine Mitmenschen.
Ok.

Ja, bemühen tun wir uns alle. :-) Wir alle tun das uns aktuell Mögliche.


Warum du meine Meinungsäußerung zu dem Thema dann im Rest deines Beitrages auch hier wieder auf persönlicher Basis angreifen musst, weißt wahrscheinlich nur du. Ich bin weder dir noch sonst jemandem zu nahe getreten.


Natürlich weiß ich das. Der Grund war Deine Anmaßung, vom "gedanken - und besinnungslosen Konsum" der Menschen zu predigen.
Und, ob Du jemandem zu nahe getreten bist, entscheidet der Empfänger, nicht der Sender. Zumindest mir bist Du zu nahe getreten. Ich konsumiere nicht "gedanken - und besinnungslos". Ich mache mir sehr viele Gedanken über das, was ich tue, also auch über meinen Konsum von Dingen. Perfekt bin ich natürlich nicht, aber das weiß ich selbst, das musst Du mir nicht tagtäglich mitteilen ;-)

Aber nun gut, wenn es Dir hilft, dann hier nochmal der Teil meines Posts, OHNE persönlich zu werden.

Es ist anmaßend, Aussagen über den Bewusstseinszustand anderer Menschen zu treffen. Ob ein Individuum es für nötig erachtet, sein Bewusstsein zu verändern, oder ob es vollkommen zufrieden damit ist, wie es ist, ist allein seine Sache.

Das hat nämlich auch was mit Respekt vor der Würde des Gegenübers zu tun: Dass man sich nicht anmaßt, über das Bewusstsein des Anderen herabsetzende Aussagen zu treffen. Das Innere der anderen Menschen geht niemanden etwas an, und zwar so lange, wie einen niemand hinein bittet.

In den Spiegel schauen und vor der eigenen Tür kehren, dann hat man schon genug zu tun.

Und, nein - ich predige NICHT jeden Tag in Internetforen, wie dumm, blind, unbewusst, schlafend, unerleuchtet etc die Menschen sind. Sowas kenne ich in dieser Form auch gar nicht, begegnet mir hier wirklich zum ersten Mal. Man muss es schon sehr nötig haben, in puncto "Bewusstsein" öffentlich angehört zu werden, wenn man darüber so häufig so viele "weise" Worte verlieren muss.

Es waren sich ja die meisten Teilnehmer an der Diskussion einig, dass eine positive Veränderung bei dem Umgang mit Tieren als Nahrungslieferanten wünschenswert wäre. Dazu habe ich meinen Sichtweise beigetragen.


Ja, diese Sichtweise, dass man mit allen Wesen gut umgehen sollte, ist sicher die Sichtweise der Mehrheit.

Jeder zieht sich die Jacke an, die ihm passt. Dir passt scheinbar die Jacke des zurechtweisenden Oberlehrers am besten.


Ich kann es nur wiederholen: Ändert der Mensch seine Art und Weise, ändert sich auch das Echo. :-)
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon ruebennase am Mi 7. Feb 2018, 23:30

Ist Stalking ein Hobby von dir? :shock:
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon idefix2 am Mi 7. Feb 2018, 23:47

Puh, einen Nachmittag weg, und dann das...
Das droht ja, in Arbeit auszuarten :wink:

Herr der Augenringe hat geschrieben:Ja, also ich meinte "Schmerz" im Sinne von schmerzhaft, dass man überhaupt geschlachtet wird...

Im Idealfall sollte das Tier davon nichts mitbekommen.

Herr der Augenringe hat geschrieben:
Ja. früher oder später stirbt jedes Lebewesen, ob es getötet wird oder nicht - sogar jeder Mensch.

Diesem Argument kann ich natürlich nichts entgegensetzen :)

War vielleicht etwas lakonisch. Aber dass das Tier stirbt, wenn es getötet wird, ist ja wohl klar und das war natürlich nicht meine Frage.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Hat ein Tier kein Bewusstsein dafür, ob es in guten oder weniger guten Verhältnissen lebt?
Also, wenn ich an meine Katze zurückdenke, dann sehe ich da ein großes Interesse daran, es sich gemütlich zu machen

Zufriedenheit hängt sogar beim Menschen weitgehend davon ab, woran er gewöhnt ist. Ich wäre todunglücklich, wenn ich mein Leben unter mittelalterlichen Bedingungen verbringen müsste, für die Leute damals war das aber völlig normal. Das waren aber genauso Menschen wie ich.
Ich war gewöhnt, in Luxusautos herumzufahren, dann kam ich in finanzielle Troubles und konnte mir kein Auto mehr leisten. Hat mir gar nicht gefallen. Inzwichen könnte ich zwar problemlos wieder ein Auto anschaffen, aber wenn ich das machen würde, würde ich ziemlich sicher wieder alles mit dem Auto fahren statt wie jetzt mit dem Fahrrad, und das Radfahren tut meiner körperlichen Verfassung sehr gut. Wenn man sich an einen Zustand gewöhnt hat, dann passt der schon, wenns halbwegs erträglich ist.

Noch dazu sind Tiere nicht fähig, ihre Lage bewusst zu reflektieren. Wenn die Verhältnisse halbwegs zu den Bedürfnissen passen, leidet ein Tier sicher nicht, schon gar nicht, wenn es nichts anderes gewöhnt ist.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Wozu dann auch gehört, dass es nicht gewaltsam vorzeitig beendet wird.

Nochmal: vom vorzeitigen Beenden bekommt es nichts mit. Und ohne das System Nutztierhaltung wäre es gar nicht erst geboren werden. Wenn es also auf die Welt kommen und bis zu seinem unerwarteten Tod ein schönes Leben haben darf, ist das doch win-win für ale Beteiligten.

Herr der Augenringe hat geschrieben:
Du verwechselst da den Überlebnsinstinkt mit "wollen". Zumindest fast allen Tierarten fehlt das dafür nötige Abstraktionsvermögen.
Gibt es dazu seriöse Studien?

Zum Abstraktionsvermögen von Tieren gibt es natürlich seriöse Studien.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Warum sollte er das dürfen?

Falsche Frage. "Verbieten" braucht eine Rechtfertigung, erlaubt sollte prinzipiell alles sein, was nicht mit gutem Grund verboten ist.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Meiner Meinung nach beginnt der "Fehler" bereits in der Unterteilung des Tieres in Nutztier oder "Schoßtier"

Die hatte ich nicht im Kopf, die Unterscheidung betrifft gezüchtete Nutztiere vs. wild lebende Tiere. Deine "Schoßtiere" zähle ich da eher zu den Nutztieren.

ruebennase hat geschrieben:Diesen Trend, alles zu relativieren, halte ich für eine recht schlimme Tendenz, auch wenn es bisher nur gedacht und (noch) nicht praktiziert wird.
Mit diesem Argument kann man auch die Tötung eines Menschen zu jedem beliebigen Zeitpunkt rechtfertigen, denn irgendwann muss er sowieso sterben, Ist doch egal, wann.

Herr im Himmel (oder sonstwo), wie dumm ist denn das wieder?

theologe hat geschrieben:Also ist die Kombination von Empfindungsfähigkeit und Reflektionsvermögen eines Individuums weder notwendig noch hinreichend für die Zuschreibung von Würde.

Der Begriff Würde ist im Zusammenhang mit Tieren unpassend. Was soll ein Tier denn mit der ihm zugeschriebenen "Würde" anfangen?

theologe hat geschrieben:Ich will selber nicht ermordert werden, ich gehe stark davon aus, dass Tiere ebenfalls nicht ermordet werden wollen, deshalb will ich auch nicht, dass Tiere ermordet werden.

Um etwas zu wollen oder nicht zu wollen, muss man es verstehen. Was du hier machst, ist ein antropozentrischer Fehlschluss. Ich habe schon in einem früheren Post festgestellt, dass Instinkte wie der Überlebensinsinkt nichts mit "wollen" zu tun haben.

theologe hat geschrieben:Das ist doch Unfug. Das Argument "Jedem Menschen wird Menschenwürde zugeschrieben, weil es eben ein Mensch ist" ist doch logisch völlig äquivalent zu deiner Aussage "Die Würde wird der Art Mensch zugeschrieben", denn die "Art Mensch" besteht ja nun mal aus allen Individuen, die Menschen sind.

"logisch völlig äquivalent" ist hier eine demagogische Halbwahrheit. "weil es eben ein Mensch ist" hat nämlich die Konnotation von Willkür, tatsächlich ist die Aussage aber für die Art stringent aus den Eigenschaften der Art abgeleitet.

theologe hat geschrieben:Das ist eigentlich der gleiche Gedankengang wie bei dir, nur dass ich ihn weiter ausdehne.

Nur dass diese Ausdehnung eben nicht klappt.

theologe hat geschrieben:Du bist ja oben nicht weiter darauf eingegangen, welche Rolle denn dem Vorhandensein, bzw. Fehlen von Reflektionsvermögen des Getöteten überhaupt zukommt bei der Zuschreibung von Würde.

Ich habe schon geschrieben, dass ich "Tierwürde" als ein unpassenden, um nicht zu sagen unsinnigen Begriff ansehe.

theologe hat geschrieben:Im Prinzip ist die Artzugehörigkeit für dich das "Heilige", das du nicht begründen kannst, aber ironischerweise trotzdem für rational hältst.

Hääää :?:
Willst du jetzt die Zugehörigkeit der Menschen zur Art Mensch bestreiten?

theologe hat geschrieben:Das ist völliger Quatsch. Wer aus ethischen Überlegungen pflanzliche Nahrung statt tierischer Nahrung konsumiert verringert doch damit unbestreitbar das Tierleid.

Ich halte gerne für dich Ausschau, wann es wieder beim Aldi einen Ironiedetektor im Sonderangebot gibt. :mrgreen:

ruebennase hat geschrieben:Warum können wir nicht einfach allem Existierenden "Würde" (der Definition nach "ein innerer Wert" bzw. "eine einzigartige Seinsbestimmung") zuschreiben, indem wir respektvoll und auch dankbar mit allem umgehen?

Ja, danke für die Erleuchtung! ich werde mir jetzt angewühnen, mich bei jeder Tür respektvoll zu bedanken, wenn ich durchgehen darf. Und ich verspreche, ich werde ab heute jeden Sessel höflich fragen, ob ich mich draufsetzen darf, bevor ich mich setze. :roll:

ruebennase hat geschrieben:Dankbarkeit funktioniert auch ohne einen bestimmten Adressaten.

Lass mich raten. Unadressiert geht sie dann an den Lieben Gott?

ruebennase hat geschrieben:
Wenn Du "wir" sagst, schließt Du Deine Person mit ein?

Natürlich.

Verstehe. War also wieder so eine Selbstbezichtigungsorgie fällig wie kürzlich. :mrgreen:
Wenn sich das häuft, wird ein Arztbesuch dringend zu empfehlen.

Rolo hat geschrieben:...

Danke, danke, danke! Endich fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren...
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Nasobēm am Mi 7. Feb 2018, 23:54

Herr der Augenringe hat geschrieben:Das habe ich des öfteren mal gehört/ gelesen, dass sich im Fleisch die Stresshormone speichern, die das Tier in den Momenten des Schlachtens bildet.

Wird ordentlich geschlachtet und ist auch der Weg zum Schlachthaus richtig geregelt produzieren Tiere keine Stresshormone in nennenswerten Mengen.
Die von dir eingestellten Links gehen auf die Probleme der Bioindustrie ein, die - ohne irgendeinen Zweifel - bestehen. Tiere die nicht richtig betäubt werden, die, für einige Minuten Zeitersparnis, aus den Transportern getrieben werden, ... alles nicht nur für die Tiere eine Qual, sondern auch der Fleischqualität mehr als abträglich. Wobei die bei der Massentierhaltung sowieso sehr schlecht ist. Das ist alles richtig. Das anzuprangern braucht es aber keine 'Tierrechte'. Hier würde es schon reichen strengere Gesetze zu erlassen und die bestehenden besser zu kontrollieren.

Und krank machen nicht die Stresshormone sondern die schlechte Fleischqualität an sich. Viele Tier aus der Massentierhaltung sind krank, verletzt, medikamentös behandelt, ...

Und nein, ein Tier weiss nicht, dass es vor seiner Schlachtung steht - wenn - wie schon geschrieben der Weg dorthin ruhig und kontrolliert geschieht und die Betäubung ordentlich verläuft.

Hier empfehle ich jedem die Bücher von Temple Grandin, ebenso den Spielfilm über ihr Leben (Du gehst nicht allein (Originaltitel: Temple Grandin)
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Herr der Augenringe am Do 8. Feb 2018, 00:04

ruebennase hat geschrieben:Ist Stalking ein Hobby von dir? :shock:



?
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Herr der Augenringe am Do 8. Feb 2018, 00:40

idefix2 hat geschrieben:Puh, einen Nachmittag weg, und dann das...
Das droht ja, in Arbeit auszuarten :wink:


:)

Herr der Augenringe hat geschrieben:Ja, also ich meinte "Schmerz" im Sinne von schmerzhaft, dass man überhaupt geschlachtet wird...

Im Idealfall sollte das Tier davon nichts mitbekommen.



Ja, wenn so etwas möglich ist, dann ist es ja gut.




Ich war gewöhnt, in Luxusautos herumzufahren, dann kam ich in finanzielle Troubles und konnte mir kein Auto mehr leisten. Hat mir gar nicht gefallen. Inzwichen könnte ich zwar problemlos wieder ein Auto anschaffen, aber wenn ich das machen würde, würde ich ziemlich sicher wieder alles mit dem Auto fahren statt wie jetzt mit dem Fahrrad, und das Radfahren tut meiner körperlichen Verfassung sehr gut.



Ja, man kann sich über jeden Kilometer, den man mit dem Fahrrad zurücklegen kann, freuen :-)
Es hat oft auch sein Gutes, sich an etwas Neues gewöhnen zu müssen.

Allerdings muss das Lebensumfeld des Tieres gewisse MIndestansprüche erfüllen, meine ich...
Ein Leben in Dreck, Enge und Streß mit Artgenossen kann nicht gut sein für ein Tier, und daran kann es sich wohl nicht gewöhnen.

Oder?


Wenn man sich an einen Zustand gewöhnt hat, dann passt der schon, wenns halbwegs erträglich ist.


Ja, wenns erträglich ist.

Noch dazu sind Tiere nicht fähig, ihre Lage bewusst zu reflektieren. Wenn die Verhältnisse halbwegs zu den Bedürfnissen passen, leidet ein Tier sicher nicht, schon gar nicht, wenn es nichts anderes gewöhnt ist.


Das ist ein gutes Stichwort: Bedürfnisse. Ich lese gerade ein Buch, in welchem es in einem Abschnitt um genau das Thema geht - Haltung von Tieren, die überhaupt nicht berücksichtigt, dass auch das Tier Bedürfnisse hat, ist das Schlimme - wenn das Tier zum Ding gemacht wird, das nur auf die Welt kommt, um dem Menschen mit seinem Fleisch/ seinen Eiern / seiner Milch zu nutzen. Neben dieser Nutzung muss das Tier auch ein Leben als Tier, um seiner selbst willen haben dürfen. Es ist kein Stück Fleisch, das auf diese Welt kommt, sondern ein lebendes Wesen mit Bedürfnissen und einem Recht auf Leben.


Was meinst Du dazu?

Herr der Augenringe hat geschrieben:Wozu dann auch gehört, dass es nicht gewaltsam vorzeitig beendet wird.

Nochmal: vom vorzeitigen Beenden bekommt es nichts mit. Und ohne das System Nutztierhaltung wäre es gar nicht erst geboren werden. Wenn es also auf die Welt kommen und bis zu seinem unerwarteten Tod ein schönes Leben haben darf, ist das doch win-win für ale Beteiligten.



Ja, wenn das Leben davor schön ist, dann schon :D




Zum Abstraktionsvermögen von Tieren gibt es natürlich seriöse Studien.


Dachte ich´s mir ;-)

Herr der Augenringe hat geschrieben:Warum sollte er das dürfen?

Falsche Frage. "Verbieten" braucht eine Rechtfertigung, erlaubt sollte prinzipiell alles sein, was nicht mit gutem Grund verboten ist.


Ok, das klingt vernünftig.
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Herr der Augenringe am Do 8. Feb 2018, 00:57

Nasobēm hat geschrieben:
Und nein, ein Tier weiss nicht, dass es vor seiner Schlachtung steht - wenn - wie schon geschrieben der Weg dorthin ruhig und kontrolliert geschieht und die Betäubung ordentlich verläuft.


Ok.

Hier empfehle ich jedem die Bücher von Temple Grandin, ebenso den Spielfilm über ihr Leben (Du gehst nicht allein (Originaltitel: Temple Grandin)


Sehr interessant! Habe gerade mal das Interview gelesen:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte ... s-nicht-so
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon idefix2 am Do 8. Feb 2018, 01:53

Herr der Augenringe hat geschrieben:Allerdings muss das Lebensumfeld des Tieres gewisse MIndestansprüche erfüllen, meine ich...
Ein Leben in Dreck, Enge und Streß mit Artgenossen kann nicht gut sein für ein Tier, und daran kann es sich wohl nicht gewöhnen.

Oder?

Ich denke, dem stimmen hier wohl alle zu.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Es ist kein Stück Fleisch, das auf diese Welt kommt, sondern ein lebendes Wesen mit Bedürfnissen und einem Recht auf Leben.
Was meinst Du dazu?

Es ist ein empfindendes Lebewesen und daraus leitet sich mMn für uns die Verpflichtung ab, (die Formulierung finde ich passender als "sein Recht") ihm keine vermeidbaren Schmerzen zuzufügen, solange es lebt und empfindet. Aber wenn seine "Bestimmung" der Suppentopf ist, dann ist sein "Recht auf Leben" wohl zeitlich etwas stärker beschränkt. :wink:
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Olond am Do 8. Feb 2018, 03:49

Nasobēm hat geschrieben:
Herr der Augenringe hat geschrieben:Die Wildtiere haben zumindest einmal das Gefühl von Freiheit erlebt, die Tiere in den Anlagen niemals.

Ich befürchte, das ist, wie Idefix sagt, eine zu romantische Vorstellung von den Gefühlen der Tiere. Nimmt man z.B. Rehe - die sind Beute und somit ständig gefährdet. 'Frei' sein bedeutet für sie, ständig auf der Hut sein zu müssen. 'Freiheit' ist ein menschlicher Begriff

Und damit gleitest du ins andere Extrem. Siehst du nicht wie manche Tiere im Zoo total zugrunde gehen. Wie ignorant... Freiheit sei ein bloß menschlicher Begriff. Und sowas auch noch von einem Biologen...
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Heraklit am Do 8. Feb 2018, 05:48

Rolo hat geschrieben:Was ich damit sagen will: In meiner selektiven Wahrnehmung könnte der Verlust unseres Tieres nicht durch irgendetwas ersetzt werden, und daher würde es unter meiner „Würde“ als „materiellen Schaden“ inakzeptabel wahrgenommen werden. :wink:
Ich bin, vom Empfinden her, auch deiner Meinung. Wenn jemand meine Katze umbringen würde, dann würde ich das auch nicht nur als Sachschaden empfinden. Ein empfindungsfähiges Wesen, welches dazu noch einem Menschen gehört, zu töten, ist schon was anderes, als wenn jemand einfach nur einen Gegenstand zerstört. Bin übrigens allgemein der Meinung, dass man dergleichen stärker ahnden sollte. Vor allem auch in Bezug auf Heimtiere. Natürlich trotzdem im Rahmen einer gewissen Verhältnismäßigkeit. Vielleicht noch als Anmerkung, falls das falsch herüber gekommen ist: Meinen vorherigen Beitrag bitte nicht so verstehen, dass ich allgemein gegen Tierschutz bin!
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon Der böse Wolf am Do 8. Feb 2018, 06:47

idefix2 hat geschrieben:Puh, einen Nachmittag weg, und dann das...
Das droht ja, in Arbeit auszuarten :wink:

Ach? Ich finde: Ganz im Gegenteil. Hier kommen doch seit drei Seiten keine wirklich neuen Aspekte mehr ans Licht.
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Re: Gibt es Heiliges auch im Humanismus?

Beitragvon idefix2 am Do 8. Feb 2018, 10:33

Heraklit hat geschrieben:Ein empfindungsfähiges Wesen, welches dazu noch einem Menschen gehört, zu töten, ist schon was anderes, als wenn jemand einfach nur einen Gegenstand zerstört.

Natürlich. Das hat aber halt mit dem Themenkreis, über den wir sprechen, höchstens ganz entfernt etwas zu tun.
Die Wertschätzung und Zuneigung, die ein Mensch einem Tier entgegenbringt, zu dem er eine Beziehung aufgebaut hat, ist eine völlig andere Baustelle. Der besondere Wert deines Dackels für dich basiert nicht auf der "Umsetzung" abstrakter philosophischer Üerlegungen zu Wert und "Würde" von Tieren, sondern auf dem Umstand dass es sich um deinen Dackel handelt, zu dem du eine emotionale Beziehung aufgebaut hast.

Wobei wohl unbestritten ist, dass Menschen, die selbst Haustiere haben, ein anderen Zugang zu Tieren im allgemeinen haben als die Mehrzahl derer, die selbst kein Tier haben.

Olond hat geschrieben:Und damit gleitest du ins andere Extrem. Siehst du nicht wie manche Tiere im Zoo total zugrunde gehen. Wie ignorant... Freiheit sei ein bloß menschlicher Begriff. Und sowas auch noch von einem Biologen...

Schade.. Nach einem Beitrag ists auch schon wieder vobei...
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