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Allein mir fehlt der Glaube ...

Diskussionen zum Atheismus, Christentum, Islam usw.

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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon Giustolisi am Fr 12. Jan 2018, 11:49

idefix2 hat geschrieben:Wenn der Kern des Arguments entkräftet ist, dann taugt das Argument nicht mehr.

Das stimmt, aber es kommt drauf an, ob man mit vernünftigen oder unvernünftigen Menschen diskutiert. Der Kern des Arguments lässt sich oft noch mit einer Zusatzbehauptung retten, die man in Frage stellt, die wieder mit einer Zusatzbehauptung gestützt wird und so weiter....

Auf die Art wird man nie fertig, deswegen bevorzuge ich es, ein Argument so weit zu zerstören, dass im Idealfall gar nichts davon übrig ist.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon bonito am Fr 12. Jan 2018, 12:07

Gut dann reicht halt:
In der Bibel steht, Jesus hat NACH der Kreuzigung noch gelebt (Lanzenstich), ergo ist er dort nicht gestorben und brauchte entsprechend auch nicht aus dem Reich des Todes auferstehen.
Und wer wird schon den Wortlaut der Bibel anzweifeln?
Unter den vielen Lügenmächten, die in der Welt wirksam sind, ist die Theologie eine der ersten.
(Mahatma Gandhi, indischer Politiker und Reformator, 1869-1948)
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Re: Gottlose Grüße

Beitragvon ice am Fr 12. Jan 2018, 19:28

Herr der Augenringe hat geschrieben:Vor einigen Wochen habe ich des nachts, gegen vier oder fünf Uhr wachgelegen und habe sie ganz deutlich gespürt: die Nichtexistenz Gottes.
Das hatte rein gar nichts damit zu tun, dass es mir nicht gut ging oder so. Es ging mir gut. Es war einfach eine Klarheit in diesem Moment.
Und es hat auch gar nicht wehgetan :wink:

Diese klarsichtigen Momente kenne ich auch sehr gut - und ja, sie tun wirklich nicht weh :wink:

Herr der Augenringe hat geschrieben:Es ist ja nicht so, dass es "nichts" gibt.

Es gibt die Liebe, die Fantasie, den Spaß, den Ernst, die Hoffnung, das Vertrauen ineinander, Freundschaft, Nähe, die MUSIK, Filme, Gedichte, Romane, Beethoven, Led Zeppelin, Goethe, Humor, Sex, Erstaunen, Trost, Hilfe, Unterstützung, Kaffee, Sachertorte, Lavendelbüsche, Rosenbüsche, Sonnenuntergänge, Sonnenaufgänge, das Meer, die Berge, Südfrankreich... und nicht zu vergessen: Stammtische!

Ja, vor allem Kaffee und Sachertorte kann über die Nichtexistenz Gottes hinwegtrösten :lol:

Spaß beiseite: Was du hier richtig beschreibst, sind die vielfältigen Aspekte/Facetten des Lebens, die das Leben auch meiner Ansicht nach erst lebenswert machen. Viele Menschen sehnen sich aber (und das verstehe ich nicht ganz) nach einem ‚übergeordneten Sinn/Grund/Glauben‘, der über die körperlichen, sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse und Wünsche hinausgeht.
„Wozu eigentlich?“ frage ich mich.

Es gibt offensichtlich eine Art ‚mystisches/spirituelles/überhöhendes Bedürfnis‘ nach einem ‚Mehr‘ an Leben. Das ist aber mE der Irrweg, der vom eigentlichen Leben eher ablenkt und die kleinen/großen Freuden des Lebens vernebelt. Wir, die zB hier im Forum schreiben und lesen, sind ja alle in einer privilegierten Lage in einer friedlichen/reichen Region der Welt. Warum sollte nicht jeder einfach nur versuchen, sein Leben in jedem Moment zu genießen?

Es gibt - abgesehen von diesem irrationalen ‚mystischen/spirituellen/überhöhenden Bedürfnis‘ - mE aber doch noch für einige Menschen auch so etwas wie ein ‚philosophisches Bedürfnis‘ nach Erkenntnis und Klarsicht, das über das ‚normale‘ (Alltags)Leben hinausragt bzw. genau dieses (Alltags)Leben manchmal wieder in Frage stellt. Die Befriedigung dieses Bedürfnisses tut aber auch nicht weh :wink: - im Gegenteil: eine neue Erkenntnis, eine klare Sicht oder ein tieferes Verstehen von Zusammenhängen kann durchaus sehr angenehm und befriedigend sein.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Das sind aber meiner Erfahrung nach alles Sachen, die sich zwischen Menschen abspielen, die Menschen für sich wichtig und schön finden.

Es kann eine ungemein erleichternde Erfahrung sein, dass alles, was den Menschen bewegt, durch andere Menschen oder mit anderen Menschen seine Bedeutung erhält.

Schön formuliert :-)
"Ich hätte viele Dinge begriffen, hätte man mir sie nicht erklärt." Stanislaw Jerzy Lec
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Re: Gottlose Grüße

Beitragvon Herr der Augenringe am Fr 12. Jan 2018, 23:14

ice hat geschrieben:
Herr der Augenringe hat geschrieben:Und es hat auch gar nicht wehgetan :wink:

Diese klarsichtigen Momente kenne ich auch sehr gut - und ja, sie tun wirklich nicht weh :wink:


:-)


Ja, vor allem Kaffee und Sachertorte kann über die Nichtexistenz Gottes hinwegtrösten :lol:


Genau so ist es! :lol:


Viele Menschen sehnen sich aber (und das verstehe ich nicht ganz) nach einem ‚übergeordneten Sinn/Grund/Glauben‘, der über die körperlichen, sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse und Wünsche hinausgeht.



Meine Theorie dazu ist ja folgende:

Die Menschen erleben im Laufe ihrer KIndheit so einige Dinge, die sie positiv oder negativ prägen. Negative sind Entbehrungen, Traumata, Verlusterfahrungen usw, die sich im Unterbewusstsein festsetzen und den Menschen sein Leben lang begleiten.
Und nun versucht dieser Mensch also unbewusst, da eine Lücke zu füllen, die durch Verlust entstanden ist, ein Gefühl von Angenommensein zu bekommen, wo man als Kind vielleicht nicht vollkommen angenommen wurde, Wunden zu heilen, die einem zugefügt wurden.

Der "barmherzige Gott" ist dann sozusagen derjenige, der diese Lücke schließen soll, denn kein Mensch kann verlorenes Urvertrauen wiederbringen, jedenfalls nicht so toll wie ein allmächtiges Wesen, das das ganze Universum geschaffen hat, die Welt und alle Menschen, Tiere und Pflanzen. Somit ist Gott dann so eine Art Übervater, welcher die Menschen mit ihrem Kummer, der in ihrem Unterbewusstsein schlummert, auffängt, trägt und begleitet.

Statt sich mit seinem Schmerz zu beschäftigen, den andere Menschen (Eltern, Freunde, später dann Partner, Kinder...) zugefügt haben, und zu erkennen, dass alle Menschen so gestrickt sind, dass sie manchmal nicht anders können, als Menschen zu verletzen, weil sie es nicht besser wissen, nicht besser konnten, weil sie selbst keine besseren Erfahrungen gemacht haben etc. ... wenden sie sich unbewusst von den Menschen ab und einem Gott zu.

Statt sich von den Menschen, die es tatsächlich schlecht mit einem meinen, zu distanzieren und eben eine klare Grenze zu ziehen, und eben sein Leben mit den Menschen zu verbringen, die es gut meinen, wird da die Spezies Mensch herabgesetzt (unbewusst) , so à la: Ja, so sind die Menschen.....Wandelnde Enttäuschungen.

Ja, die Menschen sind so, und Gott ist eben anders. das Höchste, etwas, das einem nicht mehr genommen werden kann, der einen nicht enttäuschen kann, der einem nicht wehtun kann, denn, wenn ein Unheil geschieht, dann wird der allmächtige Gott in seiner unendlichen Liebe schon genau wissen, wie der Plan ist, und so lässt sich jeder Schicksalsschlag auch besser verkraften.

Ein weiterer Aspekt ist, dass "Gott" ja eigentlich männlich ist. Es heißt ja "der Gott", nicht das, nicht die, nein, der. Für die männlichen Gläubigen ist das eventuell eine Art Vaterersatz (schrieb ich an anderer Stelle schon mal), eine männliche Autorität. Jesus war auch männlich, der Heilige Geist ebenfalls. Da kann man als anfälliger Mensch nur ehrfürchtig schauen.
Und gläubige Frauen ducken sich. Alles, was sie ausmacht, ihre kraftvolle Weiblichkeit, ihre Weisheit, ihre Natur - all das zählt herzlich wenig angesichts der männlichen Dreieinigkeit, da wird sich darauf beschränkt, der "dienende" weibliche Part zu sein, es wird Gott gedient, Jesus gedient, dem Ehemann gedient. Um Verzeihung beim Herrn Jesus Christus gebeten, dass man nicht folgsam war.

Das alles natürlich ganz freiwillig, und es sind ja alle glücklich.


Es gibt offensichtlich eine Art ‚mystisches/spirituelles/überhöhendes Bedürfnis‘ nach einem ‚Mehr‘ an Leben.



"überhöhend", du sagst es. Es macht einen zu etwas Besonderem. Alles, was man tut, erlebt, erleidet, fühlt, denkt, unterscheidet sich von dem Tun, Erleben, Leid, Gefühl und Denken der Anderen.

Man "leidet besser", denn man weiß, dass Gott seine Hand über einen hält. Man "liebt besser" (tiefer), weil man das Wesen der Liebe im Angesicht Gottes gesehen hat. Das Banale, Alltägliche ist auch banal und alltäglich, aber eben göttlich banal und alltäglich.


Das ist aber mE der Irrweg, der vom eigentlichen Leben eher ablenkt und die kleinen/großen Freuden des Lebens vernebelt.



Der göttliche Irrweg ;-)

Stimme dir da vollkommen zu, man fängt nie so richtig an, ins volle Leben einzutauchen, weil man mit seinen Gedanken und Gefühlen längst weitergezogen ist.... aber wohin? Was bleibt einem denn noch vom Leben, wenn man die Wahrheit längst gefunden hat? Da müssen einem die Menschen und ihre Eigentümlichkeiten ja niedrig und bedeutungslos vorkommen. Es muss sich anfühlen, wie überfressen an einer vollgedeckten Tafel zu sitzen.
Dafür kann aber die Tafel nix.

Was schade dabei ist, bzw, nicht schade, eher schon schlimm und teilweise fatal, ist die unbewusste Degradierung des Menschlichen.
Sachertorten und geröstete Kaffeebohnen reicht einem eben nicht der Liebe Gott vom Himmel herunter, nein, es sind Menschen, die die Sachertorte erfunden haben, und tagtäglich backen, Menschen, die den Kaffee kochen. Und es sind wohlgemerkt Menschen, die diese Sachen gern essen und trinken, ob sie nun gläubig sind oder nicht.

Die vielerwähnte Rose ist für den Menschen schön, und sie ist schön, weil sie schön ist, und nicht, weil sie etwas Unerklärliches ist, geschaffen von einem Unerklärlichen. Der Mensch freut sich am Anblick und am Geruch, andere Wesen fressen sie auf und freuen sich deswegen dran.

Wenn ich mit jemandem Spaß habe, ihn liebe, mich wohl fühle in seiner Gegenwart und wundervolle Stunden oder gar Jahre mit ihm verbringe, dann liegt das daran, dass dieser Mensch etwas Schönes ist für mich. Und nicht daran, dass irgendein Gott da irgend eine Liebe offenbart. Warum immer dieses Weglenken vom Menschlichen?


Wir, die zB hier im Forum schreiben und lesen, sind ja alle in einer privilegierten Lage in einer friedlichen/reichen Region der Welt. Warum sollte nicht jeder einfach nur versuchen, sein Leben in jedem Moment zu genießen?



Weil das Genießen denjenigen schwerfällt, die jahrzehntealten seelischen Ballast mit sich herumtragen....


Die Befriedigung dieses Bedürfnisses tut aber auch nicht weh :wink: -


Kicher :D


im Gegenteil: eine neue Erkenntnis, eine klare Sicht oder ein tieferes Verstehen von Zusammenhängen kann durchaus sehr angenehm und befriedigend sein.


Ja! Zu wissen, wie etwas funktioniert, oder, woran es liegt und das Genießen desselben schließen einander nicht aus. Wir alle wissen, wie Leben entsteht, wie das ungeborenen Kind im Bauch der Mutter heranwächst und wie eine Geburt verläuft. Und trotzdem hat es etwas Berührendes, wenn ein Mensch das Licht dieser Welt erblickt.

Man muss seine (gottgegebenen ;-) ) Augen nicht vor den Dingen verschließen.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon ruebennase am Sa 13. Jan 2018, 13:02

Der böse Wolf hat geschrieben:Der Vergleich mit dem Bild und der Leinwand beschreibt meines Erachtens ziemlich gut das Wesentliche unserer Diskussion, aber ice hat auch schon dargelegt, wo - aus meiner Sicht - Dein Irrtum liegt.

Geht diese Einschätzung nicht einen kleinen Schritt zu weit? Wenn 2 Menschen eine unterschiedliche Sichtweise und Herangehensweise an etwas haben, dann muss bei keinem von ihnen ein Irrtum vorliegen. Aussagen sind halt immer unvollständig, das liegt in der Natur der Sache.

Der böse Wolf hat geschrieben:Während Du eine quasi eigenständige Meta-Ebene postulierst, ist für mich alles in seiner unteilbaren Gesamtheit das unfassbar überwältigende, faszinierende Universum. Nur so hat der Begriff Universum für mich überhaupt einen Sinn. Gäbe es e t w a s außerhalb dessen, was wir als Universum bezeichnen, dann wäre es nicht mehr das Universum.

Ich postuliere keine eigenständige Meta-Ebene. Wenn ich über einen Aspekt einer Gesamtheit spreche, dann muss ich ihn sprachlich separieren. Die Ursache des Seins befindet sich aus meiner Sicht nicht außerhalb des Universums. Diese Ursache ist in allem enthalten, was existiert, ist immer präsent, innerhalb und außerhalb von uns.
Zuletzt geändert von ruebennase am Sa 13. Jan 2018, 13:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon Herr der Augenringe am Sa 13. Jan 2018, 13:52

Ich möchte mich daher mit 3 Zitaten von Jeshar66 erstmal aus den Diskussionen über Gott/Nicht-Gott zurückziehen:


Aber ich möchte mich ungern auf neue Diskussionen einlassen. Jeder soll und muss letztendlich seine eigene Wahrheit finden.



Hast es ja nicht lange ohne ausgehalten :wink:
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon Der böse Wolf am Sa 13. Jan 2018, 16:08

ruebennase hat geschrieben:Geht diese Einschätzung nicht einen kleinen Schritt zu weit? Wenn 2 Menschen eine unterschiedliche Sichtweise und Herangehensweise an etwas haben, dann muss bei keinem von ihnen ein Irrtum vorliegen.

Muss nicht, kann aber. Und wenn es aus meiner subjektiven Sicht ein Irrtum ist oder ich zumindest einen solchen vermute oder auch nur für möglich halte, dann bin ich zumindest bemüht, das auch deutlich kenntlich zu machen.

ruebennase hat geschrieben:Ich postuliere keine eigenständige Meta-Ebene. Wenn ich über einen Aspekt einer Gesamtheit spreche, dann muss ich ihn sprachlich separieren. Die Ursache des Seins befindet sich aus meiner Sicht nicht außerhalb des Universums. Diese Ursache ist in allem enthalten, was existiert, ist immer präsent, innerhalb und außerhalb von uns.

Dann habe ich den Bild-Leinwand-Vergleich missverstanden. Und dann sind wir uns ziemlich einig.
Nur betrachte ich genau diese Auffassung als Basis für ein atheistiscvhes Weltverständnis.
Ich bin jetzt sicher kein großer Religionsversteher, aber mich deucht, dass Gott in den meisten Fällen als ausdrücklich externe Entität aufgefasst wird.
Wenn ich Dich jetzt richtig verstehe, siehst Du Gott eher als eine Art Erbinformation, die praktisch in jedem Element des Universums - vom Elementarteilchen bis hin zu komplexen Systemen - steckt. Also eine Art Bauplan und Entwicklungsprogramm, das allem zugrunde liegt. Sozusagen das Betriebssystem des Universums oder der Quellcode. Könnte man das so sagen?
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Re: Gottlose Grüße

Beitragvon ice am Sa 13. Jan 2018, 17:13

Herr der Augenringe hat geschrieben:
Viele Menschen sehnen sich aber (und das verstehe ich nicht ganz) nach einem ‚übergeordneten Sinn/Grund/Glauben‘, der über die körperlichen, sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse und Wünsche hinausgeht.


Meine Theorie dazu ist ja folgende:

Die Menschen erleben im Laufe ihrer KIndheit so einige Dinge, die sie positiv oder negativ prägen. Negative sind Entbehrungen, Traumata, Verlusterfahrungen usw, die sich im Unterbewusstsein festsetzen und den Menschen sein Leben lang begleiten.
Und nun versucht dieser Mensch also unbewusst, da eine Lücke zu füllen, die durch Verlust entstanden ist, ein Gefühl von Angenommensein zu bekommen, wo man als Kind vielleicht nicht vollkommen angenommen wurde, Wunden zu heilen, die einem zugefügt wurden.

Ich stimme deiner (tiefenpsychologischen) Theorie zu - sie ist eine plausible Erklärung für das starke (unterbewusste) Bedürfnis nach einem ‚übernatürlichen Wesen‘, das alles ausgleichen kann, was man als Kind an Negativem eventuell erleben/ertragen musste.

Herr der Augenringe hat geschrieben:
Der "barmherzige Gott" … Übervater … Gott ist eben anders. das Höchste … der allmächtige Gott in seiner unendlichen Liebe … "der Gott", eine männliche Autorität…

‚Gott‘ dient als Projektionsfläche für alles Mögliche und Unmögliche, dessen Widersprüche hier im Forum ja schon oft herausgearbeitet und diskutiert wurde.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Wenn ich mit jemandem Spaß habe, ihn liebe, mich wohl fühle in seiner Gegenwart und wundervolle Stunden oder gar Jahre mit ihm verbringe, dann liegt das daran, dass dieser Mensch etwas Schönes ist für mich. Und nicht daran, dass irgendein Gott da irgend eine Liebe offenbart. Warum immer dieses Weglenken vom Menschlichen?

Genau das frage ich mich auch.

Herr der Augenringe hat geschrieben:Wir alle wissen, wie Leben entsteht, wie das ungeborenen Kind im Bauch der Mutter heranwächst und wie eine Geburt verläuft. Und trotzdem hat es etwas Berührendes, wenn ein Mensch das Licht dieser Welt erblickt.

Man muss seine (gottgegebenen ;-) ) Augen nicht vor den Dingen verschließen.

Eben.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon ice am Sa 13. Jan 2018, 17:45

Der böse Wolf hat geschrieben:… Gott eher als eine Art Erbinformation, die praktisch in jedem Element des Universums - vom Elementarteilchen bis hin zu komplexen Systemen - steckt. Also eine Art Bauplan und Entwicklungsprogramm, das allem zugrunde liegt. Sozusagen das Betriebssystem des Universums oder der Quellcode.

... das ist aber schon der reinste Pantheismus - gut formuliert mit modernen Begriffen.
Wikipedia hat geschrieben:Der Ausdruck Pantheismus oder Pantheïsmus (von altgriechisch πᾶν pān „alles“ sowie θεός theós „Gott“) bezeichnet die Auffassung, dass „Gott“ eins mit dem Kosmos und der Natur ist. Das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur des Universums gesehen, es existiert in allen Dingen und beseelt von daher auch alle Dinge der Welt bzw. ist mit der Welt identisch. Somit ist hier kein personifizierter Gott vorhanden.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon Der böse Wolf am Sa 13. Jan 2018, 19:39

Ja, genau so meine ich Rübennases Gottesbild zu verstehen.
Wie das auf Griechisch heißt, ist mir, ehrlich gesagt, völlig wurscht. :wink:
Für mich persönlich wäre das die einzige ernsthaft in Betracht zu ziehende Vorstellung einer "Systemsteuerung", die absolut nichts mit religiösen Gottesvorstellungen zu tun hat, die man aber, wenn man den Begriff "Gott" unbedingt verwenden möchte im weitesten Sinne damit umschreiben könnte.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon Nasobēm am Sa 13. Jan 2018, 20:36

Der böse Wolf hat geschrieben:… Gott eher als eine Art Erbinformation, ...

:lol: und wozu soll das gut sein? Erklärt das was? Hilft dir das im Alltag?

Wenn 'Alles' Gott sein soll, ist der Begriff doch noch leerer als der er eh schon ist - heureka - endlich ist das totale Vakuum entdeckt. Dawkins hat das übrigens „sexed-up Atheism“ genannt. :mrgreen:
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon ice am Sa 13. Jan 2018, 20:58

Der böse Wolf hat geschrieben:Ja, genau so meine ich Rübennases Gottesbild zu verstehen.

Ich denke nicht, dass das sein Gottesbild beschreibt. Aber vielleicht schreibt er ja noch etwas dazu.

Der böse Wolf hat geschrieben:Wie das auf Griechisch heißt, ist mir, ehrlich gesagt, völlig wurscht. :wink:

Mir ja auch :wink: - war nur ein schnelles Copy&Paste.
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Re: Allein mir fehlt der Glaube ...

Beitragvon Herr der Augenringe am Sa 13. Jan 2018, 22:38

Der böse Wolf hat geschrieben:
ruebennase hat geschrieben:Geht diese Einschätzung nicht einen kleinen Schritt zu weit? Wenn 2 Menschen eine unterschiedliche Sichtweise und Herangehensweise an etwas haben, dann muss bei keinem von ihnen ein Irrtum vorliegen.

Muss nicht, kann aber.


Ich denke auch, dass es das Wort "Irrtum" nicht ohne Grund gibt. Und außerdem ist der Tag noch gar nicht dagewesen, an dem in diesem Forum gewisse Prediger des Spruchs "Ich könnte falschliegen, vielleicht hast du recht" gezeigt haben, dass sie diesen Spruch verstanden haben.
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Re: Gottlose Grüße

Beitragvon Herr der Augenringe am Sa 13. Jan 2018, 23:31

ice hat geschrieben:Ich stimme deiner (tiefenpsychologischen) Theorie zu - sie ist eine plausible Erklärung für das starke (unterbewusste) Bedürfnis nach einem ‚übernatürlichen Wesen‘, das alles ausgleichen kann, was man als Kind an Negativem eventuell erleben/ertragen musste.


Das freut mich sehr, dankeschön! Hab ich mir die Arbeit nicht umsonst gemacht.

Herr der Augenringe hat geschrieben:
Der "barmherzige Gott" … Übervater … Gott ist eben anders. das Höchste … der allmächtige Gott in seiner unendlichen Liebe … "der Gott", eine männliche Autorität…


‚Gott‘ dient als Projektionsfläche für alles Mögliche und Unmögliche, dessen Widersprüche hier im Forum ja schon oft herausgearbeitet und diskutiert wurde.



Wie man aber auch erfahren durfte, gehört die Widersprüchlichkeit zum lieben Gott dazu....

"Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde" - das liest sich sehr "menschlich". Weil der Mensch nur in menschlichen Kategorien denken und fühlen kann, kann auch ein Hirngespinst eines Menschen (oder auch ganz vieler Menschen) nur nach menschlichem Verständnis existieren.

Ich finde es inzwischen recht niedlich, was sich Menschen alles einfallen lassen, um sich wohlzufühlen. :wink:



Herr der Augenringe hat geschrieben:Wenn ich mit jemandem Spaß habe, ihn liebe, mich wohl fühle in seiner Gegenwart und wundervolle Stunden oder gar Jahre mit ihm verbringe, dann liegt das daran, dass dieser Mensch etwas Schönes ist für mich. Und nicht daran, dass irgendein Gott da irgend eine Liebe offenbart. Warum immer dieses Weglenken vom Menschlichen?

Genau das frage ich mich auch.



Es ist halt so ;-)



Herr der Augenringe hat geschrieben:Wir alle wissen, wie Leben entsteht, wie das ungeborenen Kind im Bauch der Mutter heranwächst und wie eine Geburt verläuft. Und trotzdem hat es etwas Berührendes, wenn ein Mensch das Licht dieser Welt erblickt.

Man muss seine (gottgegebenen ;-) ) Augen nicht vor den Dingen verschließen.

Eben.



Ich kann´s kaum glauben, dass mir ein Atheist andauernd zustimmt :lol:
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Re: Gottlose Grüße

Beitragvon ice am So 14. Jan 2018, 09:28

Herr der Augenringe hat geschrieben:Ich kann´s kaum glauben, dass mir ein Atheist andauernd zustimmt :lol:

Du machst für mich nicht gerade den Eindruck, dass du ein typischer Gottesgläubiger/-fürchtiger, sondern eher ein aufmerksamer, nachdenklicher, reflektierter und emanzipierter Mensch bist, der genau weiß/spürt, dass ‚Gott‘, wir er üblicherweise gesehen und verstanden wird, nicht existiert.

Von da an, ist es nur ein kleiner Schritt zum ‚waschechten‘ Atheisten, der die Welt nur mehr mit ‚gottlosen‘ Augen sehen kann - und siehe da, die Welt erscheint dann genauso bunt, berührend, aufregend, faszinierend und merkwürdig, wie mit ‚gottgegebenen‘ Augen - nur mit dem Unterschied, dass man sich dann unbeschwerter und freier fühlt :wink:
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