atheisten.org

Diskussionen von Atheisten, Gläubigen, Freidenkern

Zum Inhalt


  • Anzeigen

Menschenfeind (Seul contre tous)

Bücher und Filme, die ihr gelesen habt oder einfach so vorstellen möchtet

Moderatoren: Super-Moderator, Admins

Menschenfeind (Seul contre tous)

Beitragvon Bloodstained am Mo 13. Okt 2014, 22:01

Menschenfeind
Originaltitel: Seul contre tous
Regisseur: Gaspar Noé
Frankreich, 1998

Bild


Hat nicht viel mit Atheismus zu tun, nur mit Nihilismus. :mrgreen:

Eines vorweg, wenn ich hier die Handlung wiedergebe, denkt jeder, dass der Film ja wohl nur so vor Klischees strotzen muss. Und das ist nicht unbedingt falsch, Gaspar Noé spielt hier mit den Klischees, schafft es aber irgendwie, dass die Handlung trotzdem realistisch wirkt, etwas, das ich hier nicht angemessen wiedergeben kann (ich spare mir auch einiges an Details).

Der Protagonist ist ein namenloser Metzger aus Paris. Dieser Metzger verdächtigt fälschlicherweise einen Mann, sich an seiner behinderten Tochter (für die er ungewollt das alleinige Sorgerecht hat) vergangen zu haben und schlägt diesen halb tot. Er landet im Gefängnis und ist finanziell ruiniert, er verliert seine Metzgerei, seine Tochter kommt ins Heim. Nach seiner Entlassung arbeitet er in einer Kneipe und schafft es irgendwie sich die Besitzerin zu angeln. Sie wird schwanger, und die beiden wollen zusammen nach Nordfrankreich zu ihrer Mutter ziehen. Es sieht erst ganz gut aus, die neue Lebensgefährtin will sich sogar darauf einlassen, ihm die Pacht für eine Metzgerei zu zahlen.

Dort angelangt läuft jedoch alles aus dem Ruder. Die Lebensgefährtin bricht ihr Versprechen, der Metzger muss schließlich als Nachtwächter in einem Altenheim arbeiten. Wieder durch Missverständnisse glaubt seine Lebensgefährtin, er hätte eine Affäre mit einer Pflegerin dort. Es kommt zu einem Streit, als sie ihm mit »Schwuchtel« kommt, dreht er durch (im Gefängnis hatte er etwas mit einem Mitgefangenen), er schlägt ihr mehrfach in den Bauch so dass er das ungeborene Kind (sehr wahrscheinlich) tötet, stiehlt die Pistole seiner »Schwiegermutter« und macht sich davon, zurück nach Paris.

So, das war die Einleitung, genug gespoilert.

Begleitet wird alles von den inneren Monologen des Metzgers, voller Hass auf die Welt und Verzweiflung und durchsetzt von Größenwahn.

Das Ende ist extrem brutal (psychologisch — generell gilt für den Film: was man an Gewalt sieht ist relativ harmlos) und äußerst geschickt eingefädelt, ich halte es für einen der besten Filmschlüsse, die ich kenne.

*hust* Die visuelle Qualität lässt etwas zu wünschen übrig, aber das passt irgendwie ja auch wieder.

Von den Schauspielern kennt man wohl allerhöchstens Philippe Nahon (der Metzger), der hat ja in einigen französischen Horrorfilmen (z. B. High Tension) mitgespielt, ich finde ihn hier sehr authentisch. :mrgreen:

Kurz: Sinnlosigkeit, Absurdität, Verkommenheit, Verzweiflung, Gewalt, Hass, ... :arrow: purer Nihilismus! Ganz oben auf der Verstör-Skala.

Ich ziehe hier nochmal Punkte ab wegen deutschen Synchronisation. Auf Französisch ist er wirklich besser.

8 von 10 Sternen!

★★★★★★★★☆☆
Jede Lüge ist in der Astralwelt ein Mord! — Rudolf Steiner
Benutzeravatar
Bloodstained
Foren-Spezialist
Foren-Spezialist
 
Beiträge: 650
Registriert: 19.03.2014

Zurück zu Buch- und Filmvorstellungen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste